The Kyoo Rohtranskript

k: Wir sprechen heute mit einer echten KrÀuterhexe. Christina, welches ist dein liebstes Heilkraut?

C: Meine erste HeilkrĂ€uter-Connection hatte ich mit der Brennnessel. Sie ist ein echtes Powerhouse, weil sie viele Mineralstoffe und Vitamine enthĂ€lt. Die sind sehr nĂ€hrend fĂŒr Haare, Haut und NĂ€gel. Durch die hohe Vitamin C Konzentration kann der Körper das Eisen in der Pflanze optimal aufnehmen. Weil die Brennnessel harntreibend ist, passt sie gut in Entgiftungskuren.

Brennnessel schmeckt in der FrĂŒh, als kaltes GetrĂ€nk am besten. Ich setze es am Abend in kaltem Wasser an und seihe es morgens ab. Das ist mein Wundermittel gegen Erschöpfung und MĂŒdigkeit. 

k: Wie hat deine Liebe und Passion fĂŒr HeilkrĂ€uter begonnen?

C: HeilkrĂ€uter haben mir in den letzten Jahren stark geholfen, mich in meinen Körper zurĂŒckzuholen. WĂ€hrend meiner Jugend habe ich mich nie richtig wohlgefĂŒhlt, ich habe mich stark von meinem Körper dissoziiert. Erst seit zwei bis drei Jahren fĂŒhle ich mich in meinem Körper, das heißt: in meinem Sein, Schaffen und Tun tatsĂ€chlich gut. HeilkrĂ€uter haben eine erdende Wirkung – fĂŒr mich als kopfgesteuerten, luftigen Menschen wirkt das sehr ausgleichend. 

Der zweite Grund: HeilkrĂ€uter haben etwas Rituelles. Egal ob KrĂ€utertee, Tinktur oder Matcha Latte: wenn du etwas zubereitest, kommst du in die PrĂ€senz. Ein Ritual erdet dich durch eine bewusste, mit Intention durchgefĂŒhrte Handlung. WĂ€hrend meiner Ausbildung zur KrĂ€uterpĂ€dagogin habe ich ein divine Calling gespĂŒrt. Ich blĂŒhe auf, wenn ich ĂŒber HeilkrĂ€uter rede. Wenn man so Feuer und Flamme fĂŒr ein Thema ist, will man es mit anderen Menschen teilen.  

k: Du bist KrĂ€uterpĂ€dagogin, betreibst ein Onlinemagazin und einen Podcast – daneben hattest du lange zusĂ€tzlich einen Brotjob. Wie machst du so viele Dinge auf einmal? 

C: Ich bin im Human Design Manifesting Generator. Viele Leidenschaften auf einmal brauche ich wie die Luft zum Atmen. Aber ein großes Geheimnis meines Energielevels ist auch meine KrĂ€utereinnahme. Ich nehme fast jeden Tag HeilkrĂ€uter zu mir, meistens Adaptogene oder KrĂ€uterpulver. Neben Brennnessel ist Rhodiola ein tolles, stimulierendes Adaptogen. Cordyceps, ein Pilz, ist super fĂŒr die mentale oder auch sexuelle LeistungsfĂ€higkeit. 

k: HeilkrĂ€uter, Tees und Tinkturen sind in der TCM völlig normale Heilmittel. In Europa gelten HeilkrĂ€uter eher als Alternative zur Schulmedizin. Warum denkst du, dass sie aktuell so ein Comeback haben? 

C: HeilkrĂ€uter sind die Ă€lteste Medizin der Welt. Durch die Christianisierung, die Inquisition, die Hexenverbrennungen ist viel Heil- und Volkswissen verloren gegangen. Bei den indigenen StĂ€mmen in SĂŒdamerika, in der TCM oder in der Ayurveda gibt es traditionelles Heilwissen noch. In der europĂ€ischen Schulmedizin muss alles messbar und erklĂ€rbar sein. 

Im deutschsprachigen Raum gab es frĂŒher das Volk der Kelten. Sie waren ein sehr naturverbundenes Volk. Einige BrĂ€uche, wie die Jahreskreisfeste, erleben gerade eine Renaissance. Gleichzeitig wurden viele heidnischen BrĂ€uche in das Christentum integriert.

Zum Beispiel die Jahreskreisfeste: 

  • Samhain, der keltische Jahresbeginn  – ein Fest, bei dem man sich stark mit den Ahnen verbunden hat, heute bekannt als „Halloween“ oder Allerseelen. 

  • Wintersonnenwende / Jul: die Wintersonnenwende, die lĂ€ngste Nacht und der kĂŒrzeste Tag. UrsprĂŒnglich wurde an diesem Tag das Sonnenkind geboren, am Zenit der Dunkelheit wieder neugeboren. Das Christentum hat das Ganze um drei Tage verschoben und das Jesuskind daraus gemacht. 

  • Sommersonnenwende: lĂ€ngster Tag, kĂŒrzeste Nacht. Das Christ die Geburt von Johannes dem TĂ€ufer. UrsprĂŒnglich wurde an diesem Tag Baldur, der Lichtgott geköpft, weil wir am hellsten Tag des Jahres wieder langsam in die Dunkelheit ĂŒbergehen. 

Kelten haben sich an der Natur orientiert. Das Comeback erfolgt, weil viele Menschen wieder Verantwortung fĂŒr ihre eigene Gesundheit ĂŒbernehmen wollen.

Ich bin ein Fan davon, dass sich traditionelle Heilkunst und Schulmedizin die Hand geben. Die Basis fĂŒr viele Medikamente waren Pilze und KrĂ€uter. Penicillin war ursprĂŒnglich ein Schimmelpilz. Aspirin kommt vom MedesĂŒĂŸkraut, das auf Latein „Spirea“ heißt. 

k: Wir wollen HeilkrÀuter anbauen. Welche kleinen Helferlein können wir in unserem Vorgarten anpflanzen?

C: Die wichtigsten HeilkrĂ€uter, die es immer und ĂŒberall gibt:

- Brennnessel. (siehe oben)

- Schafgarbe. Weil es wundstillend wirkt, nennt man es auch Wund- und Blutkraut oder Soldatenkraut. Der lateinische Name: Archillea Milefolium. Das ist eine Anspielung auf Archilles, den Soldaten. Es wirkt auch bei Menstruations- oder Bauchschmerzen entkrampfend. Bei uns wÀchst es auf jeder Wiese.

- Löwenzahn. Wirkt entgiftend und harntreibend, aber schĂŒtzt gleichzeitig die Leber. Weil Löwenzahn Bitterstoffe in sich trĂ€gt, wirkt es verdauungsfördernd. Weil sie, wie der Name schon sagt, bitter sind, wurden sie aus unserer ErnĂ€hrung herausgezĂŒchtet. Aber sie sind sehr gesund: wenn Bitterstoffe unsere Zunge berĂŒhren, werden in Magen und Galle schon Sekrete gebildet, die appetit- und verdauungsfördernd sind. Man kann es im Garten pflĂŒcken, waschen, als Salat essen oder als Tee trinken. 

k: Gibt es Unterschiede in QualitÀt und Wirkung von HeilkrÀutern?

C: Ja. Man sollte KrĂ€uter so lang wie möglich grob halten. Im Gegensatz zu losen HeilkrĂ€utern sammelt sich in fertigen Teebeuteln oft Staub. Die Beutel bestehen oft aus Mikroplastik. Wenn ein Kraut schon vor Monaten zerkleinert wurde, verliert es all seine Wirkstoffe, die Ă€therischen Öle verdampfen. Ob getrocknet oder frisch macht geschmacklich einen riesen Unterschied. Kamille konnte ich im Beutel kaum trinken. Als loses Kraut ist es eine komplett andere Pflanze: mild, fein und geil. 

k: Welche Anwendungen gibt es fĂŒr HeilkrĂ€uter?

C. Einfache Anwendungen von HeilkrĂ€utern: 

  • HeilkrĂ€uter Tee.

  • Vaginalsteaming. Ein KrĂ€uterdampfbad fĂŒr die Yoni. Wenn die Menstruation ausbleibt, kann man mit Beifuß arbeiten. Wenn der Zyklus unregelmĂ€ĂŸig ist, wirken Frauenmantel und Schafgarbe. Aber: KrĂ€uterbehandlungen immer mit dem Frauenarzt absprechen. 

  • Kleine Wehwehchen. Ringelblume, Kamille oder Beinwell wirken wundheilend. Salben kann man sehr einfach machen: man legt das Kraut fĂŒr ein Monat in ein Öl ein und lĂ€sst es einen Monat stehen. Dann vermischt man das mit Bienenwachs. Das kann man auf kleine Verletzungen auftragen. 

  • Husten oder ErklĂ€rungen. Thymian oder Spitzwegerich wirken auswurfsfördernd und lösen den Schleim. 

  • HalsentzĂŒndungen. Salbei ist ein effektives Gurgelmittel. Man lĂ€sst die Pflanze vorher 10 Minuten zeihen. Aber nicht schlucken, weil das Heilkraut im Magen Gerbstoffe entwickelt – das reizt die Verdauung. 

  • Magenschmerzen. Malve oder KĂ€sepappel wirken hier gut, weil sie sich beruhigend ĂŒber die MagenschleimhĂ€ute legen. Wichtig ist, sie kalt anzusetzen, nicht mit heißem Wasser – denn dann entwickeln die HeilkrĂ€uter Schleimstoffe. 

k: Wo kann ich hochwertige frische oder getrocknete Bio HeilkrÀuter (online) kaufen?

C: Sonnentor oder KrÀuterkontor haben sehr gute Produkte. Ich beziehe auch viele meiner KrÀuter direkt von meinem Balkon. Online bestelle ich meine KrÀuter auch gern bei Dancing Shiva oder Herbarium Officinale, die in Wien auch einen netten Laden haben.

Als Laie kann man eine KrĂ€uterwanderung mitmachen, um „in der Wildnis“ zu wissen, was sie ernten oder ansetzen können. Das ist sehr zu empfehlen – man kann vieles falsch machen. Eine gute App fĂŒr den Anfang ist Plantnet. 

k: Welche HeilkrĂ€uter sind gut fĂŒr AnfĂ€nger?

C: Ein HeilkrĂ€uterprotokoll muss mit nĂ€hrstoffreichen Pflanzen beginnen. Damit wollen wir unser Wurzelchakra, unsere Basis stĂ€rken – dort wo potenziell Heilung beginnt. 

  • Brennnessel. 

  • GrĂŒner Hafer. Kennen wir aus dem Porridge, kann man aber auch als Tee trinken. Schmeckt wahnsinnig mild, ist super fĂŒr unser Nervensystem. Wenn man es lĂ€ngerfristig konsumiert, baut es uns auf und beruhigt uns. Man sagt, 3-6 Wochen sollte man neue KrĂ€uter durchgehend einnehmen. Dann kurz Pause machen und wieder anfangen. 

k: Das „verrĂŒckteste“ Heilkraut und dessen Effekt? 

C:

  • C: Blauer Lotus. Eine der Ă€ltesten Pflanzen aus Afrika, ist bei uns in der EU schwer zu finden, und wenn, dann nur als RĂ€ucherware – weil blauer Lotus in Kombination mit Alkohol einen leicht psychedelischen Effekt hat. Als Tee getrunken ist er hingegen absolut harmlos. Blauer Lotus wirkt auf das dritte Auge, das habe ich wĂ€hrend der RauhnĂ€chte genutzt. Ich hab meinen blauen Lotus von Dancing Shiva*. (Bei Dancing Shiva gibt es -10% auf deine Bestellung mit dem Rabattcode “MATCHALOVE”)*

k: Deine drei liebsten HeilkrĂ€uter im Alltag? 

C:

  • GrĂŒntee. Ich bin kein großer Kaffeemensch, deswegen trinke ich tĂ€glich GrĂŒntee. Der enthĂ€lt viele Polyphenole, ist sehr antioxidativ. Er macht wach, ist aber nicht so wahnsinnig stimulierend wie Kaffee. 

  • Hibiskus. EnthĂ€lt viel Vitamin C, ist ein Aufbaustein fĂŒr Collagen, wirkt blutreinigend, hilft bei der Zellerneuerung, unterstĂŒtzt dem Körper zu entgiften. Und schmeckt toll! Im Sommer trinke ich ihn am liebsten als Limonade, mit RosenblĂŒten, Gojibeeren oder Hagebuttenschalen.

  • Reishi. Auch Königin der Pilze genannt, ist ein Booster fĂŒr das Immunsystem. Hilft sehr gut bei Allergiesymptomen. 

k: Welche HeilkrĂ€uter BĂŒcher empfiehlst du uns? 

C:

  • Medizin der Erde* von Susanne Fischer-Rizzi ist ein tolles Buch fĂŒr AnfĂ€nger. 

  • Alle von Wolf-Dieter Storl*. Er bringt HeilkrĂ€uter durch Geschichten nĂ€her, was eine wahnsinnig sympathische Art ist. Ich bin ein Fan des Spruchs „Be your own guru“ – aber wenn ich einen wĂ€hlen mĂŒsste, wĂ€re es er.

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